Weinbeschreibung für Pinot Gris Rangen de Thann Clos-Saint-Urbain Grand Cru 2023 von Domaine Zind-Humbrecht
An der südlichsten Spitze der elsässischen Weinstraße erhebt sich der Grand Cru Rangen de Thann wie ein geologisches Monument – ein Zeugnis vulkanischer Vergangenheit, das heute einen der bemerkenswertesten Terroir-Ausdrücke des Elsass hervorbringt. Das Clos Saint-Urbain, in den Händen der Familie Zind-Humbrecht, repräsentiert die Quintessenz dessen, was passiert, wenn kompromisslose Winzerkunst auf einen außergewöhnlichen Ort trifft.
Hier, auf schwindelerregenden Hängen mit bis zu 130% Steigung, wachsen Pinot Gris-Reben, deren Wurzeln sich durch dunkles vulkanisches Gestein kämpfen müssen. Diese dramatische Topografie – höher gelegen als der Gipfel des benachbarten Brand – schafft ein Mikroklima der Extreme: kühlende Talwinde und eine langsame, geduldige Reife, die dem Wein eine Spannung verleiht, die man selten findet.
Visueller Eindruck
Im Glas präsentiert sich der Wein in einem tiefen, leuchtenden Altgold, klar und mit einer fast öligen Viskosität, die das Licht einfängt und reflektiert – ein visuelles Echo der Konzentration, die sich am Gaumen entfalten wird.
Nase
Die erste Begegnung mit diesem Pinot Gris ist wie ein Spaziergang durch einen elsässischen Bauernhof zur Erntezeit. Das Bouquet entfaltet sich in Wellen: zunächst vollreifes Kernobst – gelbe und rote Äpfel, saftige Birnen – dann eine tiefere Schicht aus Kastanien, Akazienblüten und Waldhonig. Es folgen Noten von frisch geschnittenem Stroh und getrockneten Kräutern, unterlegt von einer subtilen, fast rauchigen Mineralität, die unverkennbar die vulkanische Herkunft verrät. Die Komplexität dieser Aromatik ist wie ein gut komponiertes Musikstück – jede Note hat ihren Platz, jeder Duft seine Bedeutung im Gesamtbild.
Gaumen
Am Gaumen offenbart sich die wahre Architektur dieses Weins. Der anfängliche Eindruck von Üppigkeit und Großzügigkeit wird sofort von einer straffen, fast elektrisierenden Säurestruktur durchschnitten. Es ist diese Spannung zwischen Kraft und Präzision, die den 2023er Jahrgang definiert. Die fast wachsige Textur umhüllt den Gaumen, während die feine Phenolik eine subtile Struktur bietet, die an fein gemahlene Nüsse erinnert.
Die vulkanische Herkunft manifestiert sich in einer tiefen, fast salzigen Mineralität, die wie ein roter Faden durch das Geschmackserlebnis führt. Der Wein ist vollständig trocken ausgebaut (nur 1,1 g/l Restzucker bei 13,5% Alkohol), was seine Präzision und Klarheit unterstreicht. Das Finale ist von kathedralenartiger Länge – ein Nachhall, der an die Jahrhunderte alte Geschichte dieser besonderen Lage erinnert.
Allgemeine Informationen
Das Jahr 2023 hat im Elsass Weine von bemerkenswerter Balance hervorgebracht. Die durchschnittlich 60 Jahre alten Reben im Clos Saint-Urbain brachten lediglich 25 hl/ha hervor – eine natürliche Konzentration, die nicht forciert werden musste. Die Säure von 6,3 g/l (Tartrat) und der pH-Wert von 3,3 verleihen dem Wein sein Rückgrat, während der Ausbau auf der Vollhefe bis zur Füllung im Januar 2025 für Komplexität und Textur sorgt.
Dieser Wein steht am Anfang seiner Reise. Olivier Humbrecht selbst empfiehlt, ihm mindestens bis 2028 Zeit zu geben, bevor man die erste Flasche öffnet. Die Geduld wird belohnt werden – das Reifepotenzial reicht mühelos bis 2052 und darüber hinaus.
Speiseempfehlungen
Die Intensität und strukturierte Kraft dieses Pinot Gris verlangt nach Gerichten mit entsprechender Tiefe. Wildgeflügel wie Fasan oder Rebhuhn mit herbstlichen Beilagen würde die erdigen Noten des Weins wunderbar ergänzen. Ebenso harmonieren gebratene Jakobsmuscheln mit einer Nussbutter-Sauce oder ein cremiger Bergkäse aus den Vogesen perfekt mit der mineralischen Spannung. Für vegetarische Kombinationen empfehlen sich gebratene Steinpilze mit Kastanienpüree oder ein Kürbisrisotto mit gerösteten Haselnüssen.
Dieser Wein sollte unbedingt dekantiert und aus großzügigen Gläsern serviert werden, um sein volles aromatisches Spektrum zu entfalten. Die Serviertemperatur von 12-14°C erlaubt es dem Wein, sich im Glas zu entwickeln und seine vielschichtigen Nuancen preiszugeben.









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